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Herzschwäche (Herzinsuffizienz): Therapie

Ziel der Behandlung ist eine Entlastung des Herzens und damit eine Verbesserung der Lebensqualität, der körperlichen Belastbarkeit und der Prognose
aktualisiert am 14.11.2017

Verschiedene Medikamente helfen, das Herz zu entlasten

LiquidLibrary/DynamicGraphics

An erster Stelle der Therapie steht – sofern möglich – die Behandlung einer auslösenden Grundkrankheit und die Reduktion von Risikofaktoren. Bestimmte Medikamente können das Herz entlasten und den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Einige Patienten profitieren auch von einem Herzschrittmacher oder herzchirurgischen Eingriffen.

Eine akute Herzschwäche ist ein medizinischer Notfall, der sofort – in der Regel in der Klinik – behandelt werden muss.

Therapie der Grundkrankheiten

Wichtig ist es, einen zu hohen Blutdruck auf optimale Werte zu senken – mit einer gesunden Lebensweise und / oder Tabletten. So genannte ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorantagonisten als Mittel gegen Bluthochdruck können das Herz sogar vor einer Schwäche schützen, indem sie die schädliche Wirkung des körpereigenen Eiweiß Angiotensin II nicht nur an der Gefäßwand, sondern auch am Herzmuskelgewebe reduzieren.

Neben dem Bluthochdruck sollten nach Möglichkeit auch weitere Faktoren ausgeschaltet werden, die das Risiko für eine koronare Herzkrankheit und damit für eine Herzschwäche erhöhen (siehe auch Kapitel "Ursachen"). Das bedeutet: Aufs Rauchen verzichten, ungünstige Blutfettwerte und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) behandeln lassen, Übergewicht abbauen (siehe dazu auch Kapitel "Wissenswert"). Ist bereits eine symptomatische Herzschwäche aufgetreten, scheint nach neuesten Erkenntnissen Untergewicht allerdings mit einem ungünstigen Krankheitsverlauf einherzugehen.

Kardiale Ursachen – die also im Herzen zu finden sind –  sollten nach Möglichkeit ebenfalls beseitigt werden: Herzklappenfehler können oft operiert werden. Besteht eine koronare Herzkrankheit (KHK), die sich in Durchblutungsstörungen des Herzmuskels zeigt, können verengte Herzkranzarterien eventuell mit einem Ballonkatheter aufgedehnt (PTCA) und mit einer Gefäßstütze (= Stent) offen gehalten werden. Je nach Ausprägung der KHK kommt auch eine koronare Bypass-Operation infrage.

Langfristige Folge einer Herzschwäche ist oft, dass sich die Herzkammern vergrößern. Das kann die Leistungsbahnen für die elektrischen Impulse in der linken Kammerwand stören (sogenannter Linksschenkelblock). Die linke Herzkammer pumpt dann nicht mehr harmonisch, was die Herzleistung schmälert. Hier hat sich eine "biventrikuläre Stimulationstherapie" oder "Resynchronisationstherapie" (CRT) bewährt: Unter örtlicher Betäubung wird ein Schrittmachersystem implantiert, das die linke Herzkammer wieder synchron schlagen und das Herz damit effektiver arbeiten lässt.

In ausgewählten Fällen ist der Einsatz eines speziellen Herzschrittmachers hilfreich, der lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen stoppen kann – ein sogenannter implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD). Ein ICD kann auch mit einer Resynchronisationstherapie kombiniert werden (ICD-CRT).

Therapie von Begleiterkrankungen

Patienten mit einer Herzschwäche leiden häufig auch an Begleiterkrankungen. Die Anzahl an behandlungsbedürftigen Begleiterkrankungen nimmt mit dem Alter zu. Dabei gibt es unterschiedliche Fälle:

  • Begleiterkrankungen können eine direkte Ursache der Herzschwäche sein – wie Bluthochdruck oder koronare Herzkrankheit (KHK).
  • Bestimmte Krankheiten stehen mit der Herzschwäche in Verbindung und wirken krankheitsfördernd – zum Beispiel eine Blutarmut (Anämie), Nierenschwäche, Depression oder Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf).
  • Manche Krankheiten treten unabhängig von der Herzschwäche auf, beispielsweise Gelenkerkrankungen oder Augenkrankheiten.

Bei der Behandlung der Herzschwäche wird heute ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der die Begleiterkrankungen berücksichtigt. Schon eine leichte Blutarmut kann einen ungünstigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben. Gleiches gilt für eine Nierenschwäche, eine Depression und eine Schlafapnoe. Deshalb ist es wichtig, dass nicht nur die Herzschwäche, sondern der ganze Patient mit all seinen Bedürfnissen gesehen und behandelt wird. Bei der medikamentösen Therapie von Begleiterkrankungen sind außerdem mögliche Wechselwirkungen zu beachten. So eignen sich beispielsweise bestimmte Schmerzmittel oder manche Medikamente gegen Depressionen weniger gut bei einer Herzschwäche. Patienten sollten die Einnahme von Arzneimitteln deshalb immer mit Ihrem Arzt absprechen. Bei Fragen zu Medikamenten kann auch die Apotheke zu Wechselwirkungen und Nebenwirkungen beraten.

Therapie mit Medikamenten

ACE-Hemmer lindern Beschwerden und bremsen das Fortschreiten der Krankheit. Die Medikamente drosseln die Entstehung und Wirkung von Angiotensin II. Das körpereigene Eiweiß spielt eine wichtige Rolle bei der Blutdruckregulierung (siehe Kapitel "Ursachen"). ACE-Hemmer senken den Blutdruck und beugen schädigenden Effekten von Angiotensin II auf Herz und Gefäße vor. Ganz ähnlich wirken AT1-Rezeptorantagonisten (= Sartane, = Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten). Sie werden oft ersatzweise dann verschrieben, wenn Patienten ACE-Hemmer nicht vertragen – wenn sie beispielsweise an einem trockenen Reizhusten leiden, einer möglichen Nebenwirkung des Medikaments.

Bestimmte Betarezeptorenblocker schirmen das Herz gegen die negativen Wirkungen der körpereigenen Stresshormone ab, indem sie die Andockstellen der Hormone blockieren. Das Herz schlägt dann ruhiger und benötigt weniger Sauerstoff.

Der Arzt wird die Therapie vorsichtig beginnen – er wird also zunächst eine niedrige Dosis des Betarezeptorenblocker, ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptorblocker verschreiben. Dann wird er allmählich die Dosis erhöhen, soweit es der Patient individuell gut verträgt. Denn Studien zeigen, dass sich bei diesen Medikamenten die Prognose mit der Höhe der eingenommenen Dosis verbessert. Allerdings müssen sich dabei Nutzen und mögliche Nachteile, zum Beispiel Nebenwirkungen der Therapie, die Waage halten. Wie hoch die Dosis im Einzelfall gewählt wird, muss also sorgfältig und individuell von Arzt und Patient ermittelt werden.

Wassertreibende Medikamente (Diuretika) fördern die Ausscheidung von Körperwasser und Salzen über die Nieren und entlasten damit das Herz. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn sich Wassereinlagerungen (Ödeme) gebildet haben und wenn es zu einer Lungenstauung gekommen ist. Bei der Therapie mit Diuretika ist es wichtig, dass der Arzt die Blutsalze (insbesondere Natrium und Kalium) und die Nierenwerte gut überwacht. Dies gilt auch für Aldosteronantagonisten, die bereits in niedrigen Dosen den Krankheitsverlauf bei Herzschwäche verbessern und hierbei das Kalium erhöhen können.

ACE-Hemmer, AT1-Rezeptorblocker, Aldosteronantagonisten und Betarezeptorenblocker reduzieren bei symptomatischer systolischer Herzschwäche die Notwendigkeit einer stationären Aufnahme wegen einer Verschlechterung der Herzschwäche und verbessern die Prognose. ACE-Hemmer (bzw. AT1-Rezeptorblocker), Betarezeptorenblocker und Aldosteronantagonisten sind hierbei additiv wirksam – das heißt, in der Regel werden Patienten mit Herzschwäche gleichzeitig mit allen drei Substanzen behandelt.

Bei Patienten, deren Herzschlag unter einer Behandlung mit einem Betarezeptorenblocker nicht ausreichend (< 75 Schläge/Min.) abgesenkt werden kann, hat sich nach aktuellen Studienergebnissen die direkt auf den Taktgeber des Herzens (Sinusknoten) wirkende Substanz Ivabradin bewährt.

Digitalispräparate (Herzglykoside) sind die ältesten Mittel gegen Herzschwäche. Ursprünglich wurden sie aus der Fingerhutpflanze (Digitalis lanata und purpurea) gewonnen. In der richtigen Dosierung steigern sie die Pumpkraft des Herzens, haben aber keinen wesentlichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Außerdem können sie zu hoch dosiert folgenschwere Herzrhythmusstörungen bewirken. Dies gilt insbesondere bei Störungen des Kaliumhaushaltes und der Nierenfunktion.

Die medikamentöse Behandlung der Herzschwäche erfolgt nach den Leitlinien der Fachgesellschaften, ist aber stets eine individuelle Angelegenheit. Sie sollte also einem individuell angefertigten Maßanzug entsprechen. Das betrifft unter anderem die Auswahl und Dosierung der Medikamente sowie die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen. Welche Arzneien im Einzelfall am besten geeignet sind, welche Vor- und Nachteile sie haben und was bei ihrer Anwendung zu beachten ist, sollte am besten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Hierbei müssen auch mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten berücksichtigt werden, die aus anderen Gründen verordnet wurden.

Herztransplantation

Sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, bleibt bei einer schweren Herzschwäche oft nur noch die Herztransplantation. Die Methode kommt allerdings nur für rund 500 Patienten in Deutschland pro Jahr infrage, weil es zu wenige Spenderorgane gibt. Deswegen werden Möglichkeiten gesucht, die Zeit auf der Warteliste zu überbrücken und gegebenenfalls eine Herztransplantation zu vermeiden.

Eine Option sind mechanische Unterstützungssysteme ("LVAS", "Kunstherz"), die entweder eingepflanzt oder außen am Körper getragen werden. Sie übernehmen einen Teil der Herzarbeit oder die gesamte Pumpleistung. Ein Problem dieser Verfahren ist allerdings das erhöhte Risiko von Blutgerinnseln und damit von Schlaganfällen.



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