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Das hilft wirklich bei einer Blasenentzündung

Behandelt man eine Blasenentzündung am besten mit Schmerzmittel, Antibiotika oder Heilpflanzen? Die aktuelle Therapieleitlinie für Ärzte liefert Antworten
von Konstanze Faßbinder, aktualisiert am 22.12.2017

Abwarten und per Wärmflasche die Beschwerden lindern: Für viele Frauen mit Blasenentzündung ein guter Rat

F1online/Axel Leschinski

Wenige Zentimeter machen den Unterschied: Weil ihre Harnröhre kürzer ist als die von Männern, leiden Frauen häufiger an Blasenentzündung. Bakterien können bei ihnen den Weg zur Blase schnell bewältigen. Liegen keine Risikofaktoren vor wie etwa eine Blasenfunktionsstörung, sprechen Ärzte von einem unkomplizierten Harnwegsinfekt.

Jüngst wurde dessen Behandlungsleitlinie überarbeitet. Die beteiligten Experten raten dazu, Antibiotika sehr gezielt einzusetzen, um die Entstehung von Resistenzen zu verhindern. Erstmals empfehlen sie auch pflanzliche Wirkstoffe, um wiederkehrenden Infekten vorzubeugen. Was Patientinnen wissen müssen:

Ursachen

Das menschliche Darmbakterium Escherichia coli ist der häufigste Verursacher von harmlosen Blasenentzündungen. Zumeist stammt es aus dem Darm der Betroffenen selbst und gelangt durch Geschlechtsverkehr oder falsche Hygiene auf der Toilette in die verkehrte Körperöffnung. Die Bakterien wandern die Harnröhre hinauf in die Blase und führen dort zu einer Entzündung und zur Reizung der Blasenwand. Weil unsere Immunabwehr bei Unterkühlung schlechter funktioniert, können kalte Füße, ein nasser Badeanzug oder zu dünne Kleidung einen Infekt tatsächlich fördern. Aber auch übertriebene Intimhygiene kann sich nachteilig auswirken, da sie das schützende Milieu zerstört.

Symptome

Betroffene leiden typischerweise unter Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen und im Unterleib, sie müssen ständig zur Toilette, obwohl wenig Urin kommt. Der kann trüb sein und anders riechen. Flankenschmerzen und Fieber weisen auf eine Nierenbeteiligung hin – sofort zum Arzt!

Therapie

Eine antibiotische Kurzzeittherapie ist gemäß der Leitlinie nach wie vor die erste Wahl, um eine akute bakterielle Entzündung rasch zu bekämpfen. "Allerdings sollten exakt zugeschnittene Nischenantibiotika Breitbandantibiotika vorgezogen werden", sagt Professor Florian Wagenlehner, Leiter der Klinik und Poliklinik für Urologie des Uniklinikums Gießen und Marburg. So will man Resistenzen vermeiden.

In vielen Fällen kann die Entzündung auch ohne Antiobiotika therapiert werden, insbesondere wenn die Beschwerden leicht sind und kein erhöhtes Risiko für Komplikationen besteht. Laut einer Studie heilen bis zu 50 Prozent aller unkomplizierten Blaseninfekte innerhalb einer Woche von selbst aus. Welche Therapie sich individuell am besten eignet, bespricht der Arzt mit der Patientin.

Hausmittel

Wärmflasche, Sitzbäder oder feuchtwarme Umschläge helfen nicht gegen die Infektion selbst. Sie entspannen aber die Muskulatur und lindern die Schmerzen. Auch Blasen- und Nierentees haben laut Urologe Wagenlehner keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf, können aber subjektiv das Wohlbefinden steigern.

Sollte man bei einer Blasenentzündung nicht generell viel trinken? Die Leitline empfiehlt eineinhalb Liter pro Tag, so viel sollten auch gesunde Menschen trinken. "Antibakterielle Wirkstoffe im Harn werden bei übermäßigem Trinken verdünnt", erläutert Wagenlehner. Dr. Giuseppe Magistro, Experte für Infektiologie an der Klinik für Urologie der Universität München, hält dagegen: Die Immunabwehr habe bei einer Entzündung ohnehin bereits versagt. Erreger auszuspülen könne aus seiner Erfahrung deshalb "durchaus ein Weg sein".

Vorbeugung

Bei 30 Prozent der betroffenen Frauen kehrt die Blasenentzündung wieder. Dann sollte der Arzt über Risikofaktoren aufklären. So erhöhen etwa Diaphragmen mit Spermiziden das Infektionsrisiko, regelmäßiges Trinken von Beerensäften senkt es. Die Leitlinie empfiehlt Patientinnen Immunprophylaktika, den Zucker Mannose oder Mittel mit Kapuzinerkressekraut oder Meerrettichwurzel. Frauen in den Wechseljahren können Östrogenpräparate helfen. "Die Prophylaxe muss stets individuell erfolgen", betont Magistro. Er selbst hält hoch dosierte Cranberry-Produkte für wirksam. Laut Leitlinie sind die Studienergebnisse dazu jedoch widersprüchlich. Letztes Mittel bei starken Beschwerden ist eine antibiotische Langzeiteinnahme.



Bildnachweis: F1online/Axel Leschinski

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